Angina tonsillaris

Tonsillitis

Als Tonsillitis bzw. Mandelentzündung bezeichnet man eine schmerzhafte Entzündung der Tonsillen. In der Praxis ist der Begriff für die Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsilla palatina) reserviert. Die Erkrankung ist ansteckend und kann durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Eine akute Streptokokken-Tonsillitis ist 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie nicht mehr ansteckend. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage. Die Tonsillitis gehört zu den 20 häufigsten Beratungsanlässen in allgemeinmedizinischen Praxen.

          

Einteilung

Lakunäre Angina: Nach dem zeitlichen Verlauf unterscheidet man die akute (Tonsillitis acuta), die chronische (Tonsillitis chronica) und wiederkehrende (rezidivierende) Tonsillitis. Ist nur eine Seite betroffen, spricht man von einer unilateralen, sind beide Seiten betroffen, von einer bilateralen Tonsillitis.

Nach dem klinischen Aspekt werden unterschieden:

  • katarrhalische Angina: Rötung und Schwellung der Tonsillen
  • follikuläre Angina: stippchenförmige fibrinöse Beläge auf den Krypten der Tonsillen
  • lakunäre Angina: Rötung und zusammenfließende (konfluierende) fibrinöse Beläge

Ursachen (Ätiologie)

Die akute Tonsillitis wird meistens (70–95 % der Fälle) durch Viren, weniger häufig durch Bakterien ausgelöst. Die typischen Erreger bei bakteriellen Auslösern sind beta-hämolysierende Streptokokken der Lancefield-Gruppe A (v. a. Streptococcus pyogenes). Daneben spielen seltener Pneumokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae, Branhamella catarrhalis, Chlamydophila pneumoniae und Neisseria gonorrhoeae eine Rolle. Viele dieser Keime gehören zur residenten Mundflora. Die Infektion wird jedoch meist durch neue Serotypen der Erreger ausgelöst, gegen die keine Immunität besteht. Als zusätzliche Faktoren können ein geschwächter Allgemeinzustand oder eine Immunschwäche hinzutreten.

Pfeiffer-Drüsenfieber: Von den viralen Mandelentzündungen zeigt das durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Pfeiffer-Drüsenfieber im Gegensatz zu den meisten viralen Tonsillitiden ausgeprägte Beläge.

Bei chronischer Tonsillitis liegt meist eine Mischinfektion mit anaeroben und aeroben Erregern vor.

Symptome

Bei einer Tonsillitis kommt es zu Schluckbeschwerden infolge der Verengung der Rachenenge. Eine kloßige Sprache, Mundgeruch (Foetor ex ore) und ein bitterer Nachgeschmack nach dem Essen und Trinken sind typisch. Schleimhautulzerationen und Schwellung der Unterkieferlymphknoten sind möglich. Häufig treten auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit auf.

Bei einer Angina catarrhalis sind die Gaumenmandeln geschwollen und gerötet. Bei der Angina follicularis treten stippchenförmige Fibrinbeläge auf, bei der Angina lacunaris größere Fibrinflecken. Bei der Scharlach-Angina ist Ausschlag (Scarlatiniformes Exanthem) typisch. Bei chronischer Tonsillitis sammelt sich Detritus an den Mandeln.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt in der Regel aus dem typischen klinischen Bild (Inspektion).

Zur Sicherung der Diagnose kann gegebenenfalls zusätzlich ein Streptokokken-Schnelltest durchgeführt sowie eine Bakterienkultur aus einem Rachenabstrich angelegt werden. Der Antikörper-Nachweis (Antistreptolysin-AK) zeigt erst nach Wochen einen Anstieg.

Therapie

Die Therapie ist abhängig von der Ursache und vom Verlauf der Tonsillitis. In der Regel wird eine Kombination aus Lokal- und Allgemeinbehandlung eingesetzt.

Bei akuter Tonsillitis sind Rachenspülungen, Gurgeln mit Desinfizientien und Pinselungen mit Lugolscher Lösung wirksam. Gegen Schmerzen können Schleimhautanästhetika und Analgetika eingesetzt werden. Unterstützend können Halswickel Anwendung finden. Bei bakteriell-eitriger Tonsillitis sind Antibiotika nur angezeigt, wenn bestimmte Bakterien, vor allem A-Streptokokken, als Erreger nachgewiesen oder dringend verdächtig sind, da ansonsten deren Nachteile überwiegen. Ungerechtfertigte Antibiotikatherapie bei Halsschmerzen ist eine der Ursachen für Antibiotikaresistenz.

Bei wiederkehrender Tonsillitis (mindestens drei Episoden) kann eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) die Zahl der Episoden möglicherweise vermindern. Die Evidenz zur Wirksamkeit dieser operativen Behandlung wird allerdings nur als „allenfalls moderat“ eingeschätzt.

Differentialdiagnostik

Differentialdiagnostisch sind andere bakterielle Erkrankungen mit Mandelbeteiligung wie Angina Plaut-Vincent (einseitige, nekrotisierende Tonsillitis), Diphtherie, Scharlach, ein syphilitischer Primäraffekt und Tuberkulose abzuklären. Viruskrankheiten wie das Pfeiffer-Drüsenfieber und die Herpangina können sich ebenfalls an den Tonsillen manifestieren.

Von den nichtinfektiösen Erkrankungen können eine Agranulozytose sowie ein Tonsillenkarzinom für Veränderungen der Mandeln verantwortlich sein.

Komplikationen

Bei einem Übergreifen einer bakteriellen Infektion auf benachbarte Abschnitte kann es zu einem Peritonsillarabszess, einem Retropharyngealabszess oder einer Halsphlegmone kommen. Letztere können durch Einbruch in die großen Halsvenen zu einer Jugularvenenthrombose führen.

Bei Abschwemmung von Krankheitserregern in die Blutbahn kommt es zu einer Blutvergiftung und zu Entzündungen anderer Organe wie Herz (Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis) oder Niere (postinfektiöse Glomerulonephritis). Als Folgeerscheinung nach einer Streptokokken-Tonsillitis kann rheumatisches Fieber auftreten. Diese Systemerkrankung ist jedoch als Folge des Antibiotikaeinsatzes in den Industrieländern sehr selten geworden.

Eine Tonsillitis kann als Streptokokkeninfektion eine Schuppenflechte (Psoriasis) auslösen, die auch erst nach Abklingen der Tonsillitis in Erscheinung treten kann.


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