#23 Schritt 3 – Egoismus ist nicht unbedingt schlecht

Ich empfehle Dir diese Bücher:

               

Egoismus ist gut für unser Selbstwertgefühl

Viele Menschen versuchen, nicht egoistisch zu sein. Um zu verhindern, dass jemand schlecht über einen reden oder denken könnte. Doch viele Menschen würden darüber auch mehr Aufgaben annehmen, als sie eigentlich machen möchten.

Wenn ich mehr Aufgaben annehme, als ich eigentlich leisten möchte, dann werde ich in meiner Persönlichen Integrität inkongruent. Das bedeutet, ich mache etwas, was ich eigentlich gar nicht machen möchte.

Das geht mit einem schlechten Gefühl einher. Und mein Selbstwertgefühl würde mit der Zeit auch sinken. Das ist eine Zwickmühle. Denke ich zuerst an mich, könnte ich von anderen als egoistisch bezeichnet werden. Damit laufe ich Gefahr, in eine Konfrontation zu geraten. Und Konfrontationen sind häufig unharmonisch.

Da ich aber Harmonie haben möchte, muss ich auch manchmal Dinge machen, die ich eigentlich gar nicht machen will. Um im Endeffekt nicht als egoistisch bezeichnet zu werden.

Denn wenn Du Dich selbst schützt und für Dich selbst zuerst sorgst, kannst Du anderen auch eine Unterstützung sein.

Ein ungünstiger Egoismus wäre, dass Du nur Dir selber hilfst und andere ignorierst.

Das mache ich in der Therapie

In Therapie greife ich gerne auf ein Modell zurück, welches ich einmal „J.-D.-Kurve“ genannt habe. J.D. war einer der Hauptcharaktere der Fernsehsendung „Scrubs“ und hat sich immer extra viel Mühe gegeben, um von allen gemocht zu werden.

Wenn ich mir Mühe gebe, kann ich damit auch eine Wirkung erzielen. Doch irgendwann habe ich ein Optimum erreicht. Und wenn ich mir dann noch mehr Mühe gebe, geht die Wirkung sogar wieder zurück. Du könntest Dir also folgendes überlegen:Wenn Du Dich für jemanden bemühen möchtest, wann und wo wäre das Optimum erreicht?

Du könntest zum Beispiel sagen: „Diese Aufgaben kann ich noch übernehmen, und wenn ich noch mehr Aufgaben annehme, bekomme ich meine eigene Arbeit nicht mehr erledigt.“ Und genau dort darfst Du dann auch eine Grenze ziehen. Denn es ist ja auch so: Wenn Du immer zuerst an andere denkst, hast Du meistens einen vergessen.

Hierzu habe ich auch ein tolles Beispiel für Dich

Stell Dir vor, Du fliegst in einem Flugzeug. Auf der einen Seite neben Dir würde ein kleines Kind sitzen. Auf der anderen Seite eine ältere Dame. Es kommt zu einem Druckabfall und die Sauerstoffmasken fallen aus der Decke. Wer bekommt jetzt zuerst die Sauerstoffmaske?

Die meisten Menschen finden sich jetzt erst einmal in einem Dilemma wieder. Versorge ich zuerst die alte Dame? Versorge ich zuerst das Kind? Doch vor jedem Abflug bekommst Du von den Flugbegleitern erklärt:

Zieh Dir die Sauerstoffmaske immer als erstes selber an. Denn nur wenn Du Dich zuerst versorgst, kannst Du anderen überhaupt eine Hilfe sein. Es gibt bei dem Thema Egoismus also zwei Perspektiven. Es gibt einen günstigen Egoismus und einen ungünstigen Egoismus. Bei dem günstigen Egoismus lernst Du Grenzen zu ziehen.

Ein ungünstiger Egoismus wäre, dass Du nur Dir selber hilfst und andere ignorierst.