Oxyuriasis

Der Madenwurm ist eine parasitisch in menschlichen Gedärmen lebende Fadenwurmart. Er ist in Europa der häufigste Eingeweidewurm beim Menschen und einer der häufigsten Parasiten des Menschen.

Die Art ist auf menschliche Wirte spezialisiert und im Allgemeinen stark auf diese Wirtsart festgelegt. Etwa 500 Millionen Infektionen werden, unabhängig von Alter und sozialem Status des Infizierten, weltweit pro Jahr verzeichnet. Etwa 50 % aller Menschen werden mindestens einmal im Leben befallen. Der krankhafte Wurmbefall selbst wird als Enterobiasis, Enterobiose, Oxyuriasis oder Oxyuriose bezeichnet.

Merkmale

Die weißen Würmer sind länglich und etwa einen halben Millimeter dick. Die Weibchen werden 8 bis 13 Millimeter lang und haben einen spitz zulaufenden Schwanz und eine charakteristische blasenartige Auftreibung der Cuticula am Vorderende. Die Männchen messen 2 bis 6 Millimeter, sind am Ende abgestutzt und tragen ihren Schwanz eingerollt.

Lebenszyklus

Ohne Zwischenwirtstadien gelangt das vom Wirt – eventuell inhalativ – aufgenommene Ei in den Magen, wo die Eihülle aufgeweicht wird. Aus dem Ei entwickeln sich schon nach sechs Stunden die ersten Larven. Im Zwölffingerdarm schlüpfen die Larven aus der Eihülle und häuten sich. Diese wandern vom Dünndarm, wo sie sich bis zu dreimal häuten, zum bevorzugten Aufenthaltsort an der Darmwand rund um den Blinddarm. Dort saugen sie sich an der Darmwand fest und bilden mit ihrem Wirt eine sog. Fressgemeinschaft. Hier wachsen die Tiere etwa zwei bis drei Wochen lang aus und erreichen die Geschlechtsreife.

Nach der Paarung sterben die Männchen. Die Weibchen wandern nach der Paarung und einer etwa zweiwöchigen Reifung der Eier zur Eiablage in Richtung After. Vorwiegend nachts kriechen sie aus dem After heraus, legen binnen 10 bis 30 Minuten ihre Eier (5.000 bis 17.000) an den Anusfalten ab, und sterben danach. Die Eier enthalten bereits einen kaulquappenförmigen Embryo, der sich nach Ablage zum zweiten Larvenstadium weiterentwickelt. Bei Sauerstoffzutritt im Freien werden die Eier schon innerhalb weniger Stunden infektiös. Diese vergleichsweise sehr schnelle Entwicklung bezieht ihre Energie im Wesentlichen aus gegenüber Fett schnell abbaubaren Glykogenvorräten, die im mittleren und hinteren Körperbereich der Würmer konzentriert sind, wo in dieser Entwicklungsphase auch die meiste Ausdifferenzierung und Bewegung stattfindet.

Beim Kratzen in der Perianalgegend können an den Fingern, besonders unter den Nägeln, Eier haften bleiben, die durch Anus-Finger-Mund-Kontakt oft vom Wirt selber wieder aufgenommen werden, wodurch es zu erneuter Infektion kommt (Selbstinfektion). Ansonsten ist der wichtigste Ausbreitungsweg das Verstäuben der winzigen Eier durch die Luft mit schließlicher Aufnahme über kontaminierte Nahrung oder Inhalation aufgewirbelter Eier. Manche Autoren behaupten, dass bereits am After geschlüpfte Larven auch direkt in den Darm kriechen können. Die Eier des Madenwurms sind bis zu drei Wochen lebensfähig.

Symptome

Häufig verlaufen Madenwurminfektionen vom Wirt unbemerkt. Als Leitsymptom einer Wurmerkrankung durch Madenwürmer gilt der (vor allem nächtlich auftretende) Juckreiz im Analbereich, der entsteht, wenn die weiblichen Madenwürmer um den After herum ihre Eier ablegen. Der Juckreiz wiederum kann zu Schlafstörungen und deren Folgeerscheinungen, wie Reizbarkeit, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, Blässe oder Augenringen führen. Er verleitet ferner zu intensivem Kratzen, was dann wiederum Hautabschürfungen zur Folge haben kann; diese können sich bakteriell infizieren. Ein massiver Wurmbefall kann zu Bauchschmerzen und Gewichtsabnahme, chronischem Durchfall, rektalen Blutungen oder Symptomen einer chronischen Blinddarmreizung (Appendizitis) führen.

Anders als viele andere Darmparasiten dringt der Madenwurm nicht in den Blutkreislauf oder in andere Organe als den Darm ein. In seltenen Fällen jedoch wird bei Mädchen der Genitaltrakt befallen, wodurch sich eine Vulvovaginitis entwickeln kann. In Extremfällen können erwachsene Würmer über die Vagina bis in das Retroperitoneum wandern und dort zu einer eosinophilen Entzündung mit einem begleitenden Aszites führen. Auch der Befall der Harnröhre und der Blase ist möglich.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt über mehrere Schritte:

Verdacht bei typischen Symptomen oder Befall in der näheren Umgebung

Morgens vor dem Toilettengang bringt man einen Klebestreifen auf die Region um den After, löst ihn wieder ab und klebt ihn auf einen Objektträger. Dann kann man die Eier mikroskopieren. Typisch ist die Doppelkontur der Eier und bei stärkerer Vergrößerung sind meistens Bewegungen der Larven zu beobachten. Die Untersuchung sollte bei negativem Befund, aber anhaltendem Verdacht mehrfach wiederholt werden. Gelegentlich finden sich ausgewachsene Würmer in der perianalen Region. Die Würmer können auch im Stuhl erkennbar sein. Doch ist eine parasitologische Untersuchung von Stuhlproben zum Nachweis einer Oxyuriasis weniger geeignet als die Klebestreifentechnik. Eventuell sind im Bett oder in der Nachtwäsche tote weibliche Würmer zu finden.

Behandlung

Die Wurmbehandlung erfolgt medikamentös durch Anthelminthika. Am Tag nach der Behandlung sollten Bett- und Unterwäsche sowie der Pyjama bei mindestens 60 °C gewaschen werden.

Begleitend empfiehlt es sich, folgende Hygieneregeln während der Dauer des Befalls einzuhalten: Morgens nach dem Aufstehen sollte die Afterregion gründlich mit einem nassen Waschlappen gereinigt werden. Hände und Fingernägel sollten gleich im Anschluss mit einer Nagelbürste von eventuell vorhandenen Eiern befreit werden.

Vor dem Essen müssen die Hände gewaschen werden.

Das Berühren der Afterregion ist möglichst zu vermeiden; nach erfolgter Berührung sind die Hände gründlich zu waschen, insbesondere die Fingernägel.

Die Fingernägel sollten so kurz wie möglich geschnitten sein.

Nach jedem Stuhlgang sind die Hände gründlich zu waschen und der Zwischenraum zwischen Fingernagel und Finger muss gründlich mit einer Handbürste gereinigt werden.

Staubaufwirbelungen, zum Beispiel beim Bettenmachen, sind zu vermeiden.

Gegen Desinfektionsmittel scheinen die Eier unempfindlich zu sein.