Rotavirus

Die Humanen Rotaviren sind beim Menschen vorkommende Viren der Gattung Rotavirus. Der Name beruht auf der radähnlichen Struktur der Viren unter dem Elektronenmikroskop. Rotaviren sind die häufigste Ursache für schwere Durchfallerkrankungen. Bei klinisch relevanten Durchfallerkrankungen sind Rotaviren mit einem Anteil von 35–52 % vertreten. Rotaviren sind auch im Tierreich weit verbreitet.

Übertragung

Die Infektion mit Rotaviren erfolgt meist klassisch fäkal-oral, wobei kontaminierte Lebensmittel und kontaminiertes Trinkwasser eine Rolle spielen können. Eine Übertragung durch Aerosole über die Luft ist zumindest experimentell möglich. Im Anschluss an eine schwere Erkrankung wird der Erreger üblicherweise für ca. ein bis drei Wochen ausgeschieden. Eine Ausscheidung ist jedoch bis zu acht Wochen nach Erkrankung möglich. Bei Patienten mit Immundefiziten ist zudem eine längere Ausscheidung möglich. Der Erreger kann Tage auf Oberflächen und über Wochen in Wasser überleben. Auch auf der Hautoberfläche kann der Erreger überleben.

Eine hohe Durchseuchung bereits im Kindesalter liegt an der geringen Infektionsdosis von nur 10 Viruspartikel, der hohen Konzentrationsdichte im Durchfall sowie der hohen Umwelttoleranz des Erregers.

Epidemiologie

Rotaviren sind weltweit verbreitet. Bis zum Ende des dritten Lebensjahres haben die meisten Kinder (>90 %) bereits eine Rotavirusinfektion durchgemacht. In Deutschland werden im Schnitt pro Jahr etwa 50.000 Erkrankungsfälle gemeldet. Die meisten Erkrankungsfälle treten bei uns in Deutschland zwischen den Monaten Februar bis April auf. Im Laufe der ersten Lebensjahre werden infolge von Kontakten mit Rotaviren zunehmend Antikörper gebildet. Frühere Erkrankungen können bei einer späteren Reinfektion mit demselben bzw. anderen Rotaviren-Typen vor erneuter Erkrankung schützen. Zwar erkrankt man, wenn überhaupt, nur leicht, Infizierte scheiden aber infektiöse Viren aus und sind damit Überträger. Im Erwachsenenalter treten Erkrankungen vor allem als Reisediarrhoe auf, wobei nur ca. 20 % der Reisediarrhoen durch Rotaviren entstehen. Die schwersten Krankheitsverläufe sind in der Altersgruppe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren zu finden. 

Krankheitsbilder und Physiologie

Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen treten die klinischen Symptome auf. Die Infektion kann aber auch klinisch inapparent, d. h. ohne Symptome auftreten. Häufig beginnen die Symptome mit Erbrechen, gefolgt von mäßigem Fieber und nichtblutigem Diarrhoe, Bauchschmerzen sind dagegen selten. Bei schweren Krankheitsverläufen kann der Durchfall vier bis fünf Tage andauern und durch den daraus folgenden Wasser- und Elektrolytverlust zur Exsikkose führen, die potentiell lebensbedrohlich sein kann. Dies und die auftretende metabolische Azidose können zu Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand führen. Die übliche Erkrankungsdauer beträgt sechs bis acht Tage. Zudem können die Viren ins Blut gelangen und dann Nieren und Leber befallen. Nach etwa 10 bis 14 Tagen stoppt die Ausscheidung an Viren, Immunkompromittierte leiden dagegen monatelang am Durchfällen und diesbezüglicher Virusausscheidung.

Diagnose

Die diagnostische Untersuchung auf Rotaviren erfolgt aus dem Stuhl meist mit einem Immunassay, der spezifisch ein Kapsidprotein als Antigen nachweist. Antigentests haben oft nur geringe analytische Sensitivität. Doch in der akuten Erkrankungsphase ist viel virales Antigen im flüssigen Stuhl vorhanden, sodass die Testempfindlichkeit reicht, um Rotaviren als Ursache zu bestätigen. Das Virus ist bei längerfristiger Ausscheidung ohne akute Infektionszeichen wegen geringer Antigenmenge mittels Antigentest nicht zu bestätigen.

Prophylaxe

Als Prophylaxemaßnahme dient die Einhaltung allgemeiner Hygienestandards sowie die Isolierung von Patienten bei einer stationären Aufnahme. Aufgrund der hohen Tenazität des Erregers ist eine hohe Compliance essentiell, zur Oberflächendesinfektion sollten viruzide Mittel verwendet werden.

Impfung

In Europa stehen zwei verschiedene Rotavirusimpfstoffe zur Verfügung. Das Impfschema besteht aus zwei bzw. drei Teilimpfungen. Es handelt sich hierbei um Schluckimpfungen. Die Immunisierung muss mit der vollendeten 24. Lebenswoche bei Rotarix bzw. der vollendeten 32. Lebenswoche bei RotaTeq abgeschlossen sein. Im August 2013 wurde die Rotavirusimpfung in den Impfkalender der STIKO aufgenommen und wird in Deutschland für Säuglinge ab einem Alter von sechs Wochen empfohlen. Ohne Impfung erkrankt bis zum fünften Lebensjahr nahezu jedes Kind an Rotaviren.

Therapie

Eine spezielle Therapie existiert nicht. Es ist in jedem Fall auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Von der Einnahme von Medikamente gegen Durchfall ist abzuraten, da diese die Ausscheidung des Erregers erschweren und somit den Krankheitsverlauf verlängern können.

Meldepflicht

Der Nachweis von Rotaviren ist in Deutschland nach § 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG) namentlich meldepflichtig. Darüber hinaus nach § 6 IfSG Verdacht auf und die Erkrankung an einer akuten infektiösen Gastroenteritis, wenn der oder die Betroffene Umgang mit Lebensmittel hat, in einer Gemeinschaftseinrichtung arbeitet oder wenn nach dem epidemischem Zusammenhang ein Ausbruch zu vermuten ist. Zudem haben Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich zu benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung betreute Kinder, die das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und an infektiöser Gastroenteritis erkrankt oder dessen verdächtig sind.