Spulwurmbefall

Der Spulwurm (Ascaris lumbricoides) ist ein den Menschen sowie Affen und Bären befallender Parasit, der ohne Zwischenwirte auftritt. Der Spulwurm gehört zu den Fadenwürmern.

Verbreitung

Die erste Erwähnung dieses Wurms findet sich im Papyrus Ebers, der um 1540 v. Chr. verfasst wurde. Damit ist er einer der am längsten bekannten parasitären Fadenwürmer. Er ist weltweit besonders in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet, aber an eine gewisse Bodenfeuchtigkeit gebunden. Durch die sehr widerstandsfähigen Eier, die bis zu vier Jahre infektiös bleiben und auch von den meisten Chemikalien nicht getötet werden, kann er sich lange in bestimmten Gebieten halten. Es sind etwa 22 % der Weltbevölkerung infiziert, wovon bis zu 1 % dem Parasiten erliegt. Der Mensch kann sich auch mit dem morphologisch nicht vom Menschenspulwurm (Ascaris lumbricoides) zu unterscheidenden Schweinespulwurm (Ascaris suum) infizieren. Genetische Untersuchungen der letzten Jahre deuten jedoch darauf hin, dass es sich bei beiden tatsächlich um nur eine Spezies handelt.

Merkmale

Weibchen werden bis zu 40 cm lang bei einem Durchmesser von 5 mm, Männchen erreichen bis 25 cm Länge und einen Durchmesser von 3 mm. Die Würmer haben ein rosafarbenes, regenwurmartiges Aussehen, daher auch der lateinische Name lumbricoides, der sich vim lateinischen für Regenwurm ableitet. Ihre Mundöffnung ist dreilippig, und mit bloßem Auge kann man die Ausscheidungskanäle als weiße Linien wahrnehmen. Männchen unterscheiden sich von Weibchen durch ihr meist eingerolltes Schwanzende und durch die herausragenden Spicula.

Lebenszyklus

Die von erwachsenen Weibchen im Darm abgelegten, etwa 0,05 mm großen Eier gelangen mit dem Kot in die Umwelt. Dort findet bei ausreichender Feuchtigkeit, Temperaturen von 9 °C bis 35 °C und Sauerstoff noch im Ei die Entwicklung über das erste Larvenstadium mit Häutung zum zweiten Stadium der Larve statt, was unter Laborbedingungen etwa 12 Tage, im Freien auch 2 bis 6 Wochen dauern kann. Das Ei mit der infektionsfähigen Generation wird vom Wirt meist mit der Nahrung aufgenommen.

Im Dünndarm schlüpft die herangereifte etwa 0,2 mm lange Larve und bohrt sich durch die Darmwand. Mit dem Blutstrom wandert sie zur Leber, häutet sich dort wieder und wächst im dritten Larvenstadium heran. Diese Larve gelangt dann über die untere Hohlvene zum Herzen und weiter über die Lungenarterien in das Kapillarnetz um die Lungenbläschen. Von dort bricht sie meist durch die Wand des Blutgefäßes in den Luftraum der Alveolen, wo sie sich abermals häutet und in das vierte Larvenstadium übergeht. Die rund 1,4 mm lange Larve gelangt sodann unterstützt vom Flimmerepithel über Bronchiolen, Bronchien und Luftröhre zum Kehlkopf. Oft löst dies einen Hustenreflex aus und sie kann abgehustet entweder ausgespuckt oder geschluckt werden. Mit letzterem kehrt die Larve wieder zum Dünndarm zurück, wo sie zum erwachsenen Tier auswächst. Etwa zwei Monate nach der Infektion können dann Eier in den Ausscheidungen nachweisbar sein. Die adulten Weibchen legen am Tag bis zu 200.000 Eier, in ihrem Eierstock sind bis zu 27 Millionen Eier angelegt. Die Lebensdauer des Parasiten kann bis zu eineinhalb Jahren betragen.

Infektion

Die Infektion erfolgt meist durch Aufnahme kontaminierten Wassers oder kontaminierter Lebensmittel wie mit Tierkot gedüngtem Gemüse.

Klinische Symptome

Häufig bleibt eine Infektion mit Spulwürmern unauffällig. Gelegentlich kommt es zu allergischen Reaktionen. Anzeichen einer klinischen Erkrankung treten meist erst bei schwerem Befall auf. Sie sind weitgehend unspezifisch und betreffen vornehmlich Lunge und Atemwege (Larvenstadien) sowie den Verdauungstrakt (adulte Würmer). Die Wanderung der Ascaris-Larven durch die Lungen kann nicht nur Husten auslösen, sondern zu einer Pneumonie führen. Im Darm können die adulten Würmer die Bauchspeicheldrüsengänge oder die Gallengänge blockieren und damit Koliken hervorrufen. Ein massenhaftes Auftreten kann zu einem Darmverschluss mit nachfolgender Darmlähmung führen. Zu den chronischen Folgen eines schweren Befalls zählen Untergewicht und Wachstumsstörungen durch mangelhafte Verdauung (Maldigestion) bzw. mangelnde intestinale Aufnahme (Malabsorption) der zugeführten Nahrung.

Diagnose

Die Diagnose des Spulwurmbefalls erfolgt am effektivsten durch eine Kotuntersuchung mittels des Flotationsverfahrens. Hierbei werden die dickschaligen, 70 bis 80 µm großen Eier nachgewiesen. Weiterhin ist der serologische Nachweis einer larvalen Spulwurminfektion mittels ELISA möglich. Während der Invasionsphase ist die Stuhluntersuchung negativ, ebenso bei einem Befall mit ausschließlich männlichen Spulwürmern.

Vorbeugung

Eine effektive vorbeugende Maßnahme besteht im konsequenten Händewaschen vor jeder Nahrungsaufnahme. Der Verzehr kotgedüngter Gemüse sollte vermieden, Fäkalien unter hygienischen Gesichtspunkten beseitigt werden. In der Familie gehaltene Kleintiere bedürfen einer regelmäßigen Entwurmung.

Bekämpfung

Zur Behandlung von mit Spulwürmern befallenen Menschen werden die Antiparasitika Mebendazol oder Albendazol verabreicht und die Gabe wird nach zwei bis vier Wochen wiederholt.

Bei Befall beim Menschen sind in seltenen Fällen invasive Eingriffe in Form einer Entfernung im Rahmen einer Darmspiegelung nötig. Dabei werden die Würmer mit einem Greifarm am Kopf des Endoskops erfasst und durch den After entnommen. Ein anderes, selten notwendiges Operationsverfahren wird nur bei darmblockierendem Befall angewandt. Dabei wird die betroffene Zone im Darm des Patienten mit einem Schnitt geöffnet und die Wurmansammlungen manuell vom Arzt in Richtung Schnittöffnung vorsichtig herausgedrückt, oder der entsprechende Darmabschnitt reseziert.