Hörsturz

Ein Hörsturz ist eine ohne erkennbare Ursache (idiopathisch) plötzlich auftretende, meist einseitige Schallempfindungsstörung. Der Hörverlust kann beim Hörsturz von geringgradig bis zur völligen Gehörlosigkeit reichen, er kann alle Frequenzen betreffen oder nur auf wenige Frequenzbereiche begrenzt sein. Hörstörungen mit erkennbarer Ursache sind gemäß dieser Definition kein Hörsturz. Der Verlauf des Hörsturzes ist sehr unterschiedlich; bekannt ist eine relativ hohe Rate der Spontanheilung. Eine zuverlässige Prognose gelingt nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht. Eine wirksame medikamentöse Therapie ist nicht bekannt.

Symptome

Charakteristisch und definierend ist ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust. Auslösende oder verursachende Faktoren lassen sich nicht feststellen. Die Diagnose Hörsturz ist also eine Ausschlussdiagnose. Der Hörsturz ist niemals von Ohrenschmerzen begleitet. Einseitiges Druckgefühl und Ohrgeräusch im betroffenen Ohr können Vorboten sein. Die Hälfte der Patienten gibt „wattige“ oder betäubte Hautempfindungen an, welche durch die fehlende akustische Rückkoppelung bei Berührung der Ohrmuschel entsteht; echte Hypästhesie, also herabgesetzte Empfindlichkeit, besteht nicht. 30 % klagen über Schwindelgefühl, 15 % über Doppeltonhören und Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis). Für die Diagnose sollten einen Hörverlust des sensorineuralen Typs (Schallempfindungsstörung),

welcher sich innerhalb von 24 Stunden entwickelt,

mit deutlichem Hörverlust im Tonaudiogramm,

ohne identifizierbare Ursache,

in schweren Fällen mit Schwindelgefühl auftreten.

Diagnostik

Neben der Befragung werden verschiedene Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit des Ohres durchgeführt. Mit der Otoskopie werden Gehörgang und Trommelfell untersucht. Der Weber-Test lateralisiert ins gesunde Ohr, der Rinne-Test ist beidseits positiv. Die Funktionstüchtigkeit des Mittelohres wird mit der Tympanometrie überprüft. Mit der Tonaudiometrie werden Ausmaß und Frequenzbereich des Hörverlustes bestimmt. Otoakustische Emissionen (OAE) erlauben ggf. den Nachweis einer Erkrankung des Hörnervs. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie und die Computertomographie können Tumoren wie das Akustikusneurinom, zerebrale Durchblutungsstörungen und Infektionen darstellen. Die Hirnstammaudiometrien suchen Erregungsbehinderungen vom Innenohr bis zum Hirnstamm. Blutuntersuchungen können ggf. Ursachen von Durchblutungsstörungen wie Hyperviskosität, Anämie, Hyperlipidämie Thrombophilie, und Entzündungen aufdecken. Der Blutdruck sollte gemessen werden. Elektrokardiographie und Echokardiographie können Herzerkrankungen nachweisen.

Differentialdiagnose

Eine plötzliche Hörstörung kann Symptom anderer Erkrankungen sein. Hierzu zählen u.a. der Verschluss des Gehörganges durch Cerumen (Ohrenschmalz; die Schallleitungsstörung kann mit dem Weber-Test diagnostiziert werden), ein Tubenkatarrh, ein Paukenerguss (ebenfalls mit dem Weber-Test auszuschließen) oder auch ein Morbus Menière, bei welchem typischerweise ein dramatischer Drehschwindelanfall im Vordergrund steht. 

Ursachen und Risikofaktoren

Der Entstehungsmechanismus von Hörstürzen konnte bisher noch nicht geklärt werden. Vermutet wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zu einer Änderung der Durchblutungsverhältnisse am Innenohr führen. Hier befinden sich die Haarzellen, die für das Hören zuständigen Sinneszellen. Die Haarzellen werden durch Diffusion aus der Umgebung mit Substraten unter Einschluss von Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Eine Mangeldurchblutung in den Blutgefäßen der Hörschnecke führt zu einer Schädigung der Haarzellen. Allerdings konnten in Untersuchungen an Innenohren von Hörsturzpatienten, die ihr Organ nach ihrem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellten, keine Hinweise auf solche Durchblutungsstörungen festgestellt werden. Darüber hinaus werden Stress, Autoimmunerkrankungen und Risse der Rundfenstermembran als Ursachen diskutiert.

Therapie

Es existieren mehrere Behandlungsmethoden, denen allen gemein ist, dass sie fachlich mehr oder weniger umstritten sind. Ein wissenschaftlich gut gesicherter Therapieansatz steht zwar aktuell nicht zur Verfügung, da die Ursache bzw. die Ursachen des Hörsturzes noch unklar sind. Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich die Therapie, insbesondere aufgrund der Erfahrungen aus den USA, aktuell auf den Einsatz von Glukokortikoiden konzentriert.