Borderline

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung bzw. emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs ist eine psychische Erkrankung. Typisch für sie sind Impulsivität, instabile und intensive zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild aufgrund von gestörter Selbstwahrnehmung. Hinzu kommen oft selbstschädigendes Verhalten, Gefühle innerer Leere, Dissoziationserlebnisse und Angst vor dem Verlassenwerden.

Es sind bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln beeinträchtigt. Dies führt zu problematischen und teilweise paradox wirkenden Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen und sich selbst gegenüber. Dadurch führt die Borderline-Störung oft zu erheblichen Belastungen und kann sowohl die Lebensqualität der Betroffenen als auch ihrer Bezugspersonen stark reduzieren. Es treten häufig weitere psychische Störungsbilder auf – hierzu gehören u.a. Depression, ADHS, Posttraumatische Belastungsstörungen bei Trauma-Einfluss sowie Substanzmissbrauch und Essstörungen.

Krankheitsbegriff

Ursprünglich wurden psychische Störungen nach dem Prinzip der Analysierbarkeit klassifiziert. Neurotische Personen wurden als analysierbar und somit als behandelbar angesehen. Menschen mit Psychosen dagegen wurden als nicht analysierbar und somit als nicht behandelbar betrachtet. Die Bezeichnung „Borderline“ bezog sich in diesem Sinne auf eine unscharfe und nicht definierte Grenzlinie zwischen Neurose und Psychose und wurde gewählt, da man bei den betroffenen Patienten Symptome aus beiden Bereichen identifizierte.

Aufgrund der Nähe zur Psychose ordnete man die Borderline-Störung dem schizophrenen Formenkreis zu. Entsprechende historische Bezeichnungen für die Borderlinestörung sind Randpsychose, Pseudoschizophrenie und Pseudoneurotische Schizophrenie. Heute ist die Annahme, dass die Borderline-Störung verwandt mit der Schizophrenie ist, widerlegt.

Im ICD-10 wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31) als einer von zwei Subtypen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (F60.3) aufgeführt: Der impulsive Typus dieser Störung ist geprägt durch mangelnde Impulskontrolle und unberechenbare Handlungen (F60.30).

Beim Borderline-Typus sind zusätzlich das eigene Selbstbild und das Beziehungsverhalten noch stärker beeinträchtigt (F60.31).

Abgrenzung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist selbst für erfahrene Fachärzte in der Praxis oft schwer zu erkennen. Sie wird daher häufig erst nach mehrjähriger Behandlung wegen anderer, im Vordergrund stehender Beschwerden (z. B. Depressionen, Ängste, psychosomatische Beschwerden etc.) korrekt diagnostiziert. Die Diagnose erfordert daher eine umfangreiche Anamnese, evtl. unter Einbeziehung von Angehörigen, und sorgfältige differentialdiagnostische Abgrenzung von diesen anderen Erkrankungen.

Symptomatik

Es bestehen Probleme im zwischenmenschlichen Verhalten und bilden die am meisten sichtbaren und die am besten unterscheidbaren Merkmale von Borderline. Experimentelle Daten deuteten auf instabile Gefühle, (Selbst-)Aggression, Überempfindlichkeit gegenüber möglichen Bedrohungen, geringen Erfolg bei Verständigung nach Konflikten, häufige Missverständnisse und Vermischung von Selbst- und Fremdeinschätzung. Es bestehen erhöhte emotionale Empfindlichkeit, starke und schwankende negative Stimmung, ein Mangel an geeigneten Kompetenzstrategien zur Klärung von Konflikten und ein Überschuss an schlecht angepassten Kompetenzstrategien. Darüber hinaus bestehen eine ausgeprägte Angst vor Zurückweisung, es kommt zu dissoziativen Symptomen sowie Selbstverletzungen und es besteht eine allgemein erhöhte Suizidneigung.

Ursachen

Es gibt verschiedene Theorien und Modelle dazu, wie die BPS entsteht, und es gibt verschiedene Faktoren, die als mögliche Ursachen oder Teilursachen in Betracht gezogen werden. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zur Entstehung beitragen. Hierzu gehören genetische Veranlagung, Umwelteinflüsse wie u.a. die Eltern-Kind-Beziehung und traumatische Einflüsse sowie auch eurobiologische Anomalien.

Therapieformen

Psychodynamische Verfahren und dialektisch-behaviorale Therapie sind bei Borderline-Persönlichkeitsstörung geringfügig effektiver als andere Verfahren. Nicht selten liegen der BPS auch traumatische Erlebnisse, meist in der Kindheit, zuweilen auch mit überlagerter (gelegentlich auch komplexer) Posttraumatischer Belastungssymptomatik, mit zugrunde, weshalb sich in einigen Fällen die Einbeziehung einer spezifischen Traumatherapie als sinnvoll erweisen kann. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Psychodynamische Ansätze, Verhaltenstherapie, kognitive Umstrukturierung und megakognitives Training, Psychoedukation sowie der unterstützende Einsatz von Psychopharmaka.