Poltern

Poltern ist eine Störung des Redeflusses bzw. eine Sprechstörung. „Poltern zeigt sich als gehäuftes Auftreten phonetischer Auffälligkeiten wie Auslassungen und Verschmelzung von Lauten und Silbenfolgen sowie Lautersetzungen und Lautveränderungen, die häufig zur Unverständlichkeit von Äußerungen führen. Häufig treten zusätzlich Silben-, Wort-, Laut- und Satztteilwiederholungen auf.“

Als Synonyme für „Poltern“ werden auch Battarismus, Tachyphemie sowie Tumultus sermonis verwendet. Zeitweise wurde Poltern im deutschen Sprachraum auch als eine Paraphrasia praeceps bezeichnet.

Symptomatik

Das Sprechen ist durch Unregelmäßigkeiten und gestörten Sprechrhythmus schwer verständlich, die Anläufe sind ruckhaft und schnell, das Satzmuster kann oft fehlerhaft sein. Neben dem überhasteten Sprechen sind Lautverschmelzungen  typisch, z. B. „Hatür“ statt „Haustür“. Es werden also oft Silben verschluckt. Das Sprechen hört sich nicht fließend an, das heißt, es ist nicht klar, was der Betroffene sagen will. Das Sprechen zeigt einen erhöhten Anteil an auch normalerweise vorkommenden Unflüssigkeiten wie Interjektionen (z. B. „ähm“) und Revisionen (Satzumstellungen). Die Person, die poltert, zeigt wenig Anstrengung im Sprechen und wenig Nebenbewegungen (die bei Stottern häufiger vorkommen). Zwar besteht meist ein Störungsbewusstsein, aber in dem Moment, in dem die Probleme auftreten, fällt es Betroffenen schwer, diese zu identifizieren.

Neben dieser Symptomatik ist oft auch Folgendes wahrzunehmen (sekundäre Symptome): unorganisiertes Sprechen sowie wenig Bewusstsein über Sprechtempo und Redefluss. Es können Lernschwierigkeiten vorbekannt sein. Polterer können leicht ablenkbar und hyperaktiv sein und haben öfter eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und Probleme bei der auditiven Verarbeitung.

Obwohl bis heute keine pathophysiologische Definition des Polterns existiert, zumal die Phänomenologie immer noch unklar, weil kaum erforscht ist, werden die möglichen Symptome in obligatorische und fakultative eingeteilt.

Es treten verschiedene Symptome auf – hierzu gehören u.a. zu schnelle und unregelmäßige Sprechgeschwindigkeit, Silben- bzw. Lautverschmelzungen (Elisionen), Lautersetzungen, Lautveränderungen und Versprecher

Unflüssigkeiten und Embolophrasien (also Floskeln, Dehnungen, Satzabbrüche und Wiederholungen). Darüber hinaus kommt es zu Sprachstörungen oder Sprachgestaltungsschwächen, Semantische Störungen und Wortfindungsstörungen sowie Pragmatische Störungen (also beeinträchtigte soziale Exekutivfunktionen) und Aufmerksamkeitsstörungen.

Diagnose

Nach dem logopädischen Erstkontakt steht die Erhebung von Spontansprachproben im Vordergrund. Hierbei wird differenzialdiagnostisch zum Stottern abgegrenzt. Die Testung der auditiven Merkfähigkeit für Zahlen und Silbenfolgen, die Untersuchung zur willentlich deutlichen Artikulation anhand eines Lesetextes und die Überprüfung von sprachlicher Strukturierung schließen den logopädischen Erstkontakt ab. In einem späteren Folgetermin wird eine weiterführende Diagnostik vorgenommen.

Klassifikation

Trotz bis heute ungeklärter Ätiologie wird Poltern in der ICD-10 unter die Gruppe Psychische und Verhaltensstörungen in der Untergruppe Andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend subsumiert und differenzialdiagnostisch dem Stottern und den Ticstörungen gegenübergestellt.

Ätiologie

Da kaum Forschung zum Thema Poltern stattfindet, ist die Ursache diese Redeflussstörung bisher ungeklärt, sodass nur Hypothesen zur Ätiologie existieren.Frühere Annahmen, wie etwa die Hypothese, dass Poltern eine Verhaltensstörung sei, sind nicht haltbar. Heute werden teilweise Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen, Kontrollstörungen, Planungsstörungen, Timingstörungen im weitesten Sinn angeführt.

Therapie

Im Gegensatz zum Stottern gibt es das Poltern keine festgelegten Therapieprogramme. Gleichwohl werden polternde Patienten auch in Fluency-Shaping-Programmen behandelt. Meistens werden zuerst die psychosozialen Probleme behandelt, die durch das Poltern verursacht werden. Der Redefluss wird zugleich behandelt, weil die Arbeit am Sprechtempo sehr wichtig ist. Es muss mit verschiedenen Sprechgeschwindigkeiten geübt werden, insbesondere die Pausensetzung ist zu beachten. Auch die Aussprache, Silbenausprägung und Sprachprobleme – sofern letztere bestehen – sind Bestandteil der Therapie. Falls neben Poltern auch eine Stottersymptomatik besteht, wird auch daran gearbeitet. Poltern wird durch Logopäden behandelt.