Wie Zwangsstörungen das Leben beeinflussen: Eine Betrachtung der anankastischen Persönlichkeitsstörung
Hast du dich schon einmal gefragt, wie es wäre, wenn du ständig von deinen eigenen Gedanken und Handlungen kontrolliert würdest? In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf die anankastische Persönlichkeitsstörung, auch bekannt als Zwangsstörung, und wie sie das Leben der Betroffenen beeinflussen kann. Erfahre mehr über Symptome, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung.
Was ist die anankastische Persönlichkeitsstörung?
Wenn wir von Zwangsstörungen sprechen, denken die meisten Menschen an zwanghaftes Händewaschen oder ständiges Überprüfen von Türen und Fenstern. Doch es gibt eine weitere Form der Zwangsstörung, die oft übersehen wird: Die anankastische Persönlichkeitsstörung. Diese Störung betrifft das Denken und Verhalten einer Person und äußert sich in einem starken Bedürfnis nach Kontrolle und Ordnung. Menschen mit dieser Störung haben Schwierigkeiten, spontan zu handeln oder Entscheidungen zu treffen. Sie sind oft sehr detailorientiert und perfektionistisch und neigen dazu, ihre Umgebung und andere Menschen zu kontrollieren. Dies kann zu Konflikten im persönlichen und beruflichen Leben führen und das tägliche Leben erheblich beeinflussen.
Wie beeinflusst sie das tägliche Leben?
Die anankastische Persönlichkeitsstörung kann das tägliche Leben auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Menschen mit dieser Störung haben oft Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und sind sehr unsicher in ihren Handlungen. Sie neigen dazu, alles zu überdenken und ständig Zweifel an ihren eigenen Fähigkeiten zu haben. Dadurch kann es schwierig sein, Aufgaben zu erledigen oder Termine einzuhalten.
Ein weiteres Symptom ist die Tendenz zur Perfektionismus und Kontrolle. Betroffene haben oft hohe Standards für sich selbst und andere, die schwer zu erfüllen sind. Sie können sich deshalb schnell gestresst fühlen oder Angst haben, Fehler zu machen. Das kann dazu führen, dass sie bestimmte Aktivitäten vermeiden oder immer wieder von vorne beginnen.
Die anankastische Persönlichkeitsstörung kann auch Auswirkungen auf soziale Beziehungen haben. Betroffene können sehr anspruchsvoll sein und erwarten von anderen, dass sie ihre Regeln und Erwartungen erfüllen. Das kann dazu führen, dass sie Schwierigkeiten haben, Freundschaften oder romantische Beziehungen aufrechtzuerhalten.
Insgesamt kann die anankastische Persönlichkeitsstörung das tägliche Leben stark beeinflussen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Es ist wichtig, geeignete Behandlungsoptionen in Anspruch zu nehmen, um den Umgang mit Zwangsstörungen im Alltag zu erleichtern.
Symptome der anankastischen Persönlichkeitsstörung und deren Auswirkungen auf den Alltag
Die anankastische Persönlichkeitsstörung kann sich auf verschiedene Arten im täglichen Leben bemerkbar machen. Einschränkungen in der sozialen Interaktion, Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung und Perfektionismus sind nur einige der Symptome, die auftreten können. Betroffene neigen oft dazu, ständig zu kontrollieren und zu überprüfen, ob alles perfekt ist oder ob sie etwas vergessen haben. Dadurch kann es zu einer enormen Belastung im Alltag kommen, insbesondere wenn Zeitdruck herrscht oder Aufgaben erledigt werden müssen, die nicht den eigenen hohen Ansprüchen entsprechen. Zudem können zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigt werden, da Betroffene Schwierigkeiten haben, Kompromisse einzugehen und sich auf andere einzulassen. Es kann auch passieren, dass sie ihre Mitmenschen mit ihren Forderungen und Erwartungen überfordern oder verärgern. Insgesamt kann die anankastische Persönlichkeitsstörung das Leben stark beeinflussen und Betroffene vor große Herausforderungen stellen.
Behandlungsoptionen für Menschen mit anankastischer Persönlichkeitsstörung
Wenn Du an einer anankastischen Persönlichkeitsstörung leidest, kann das Dein tägliches Leben stark beeinträchtigen. Die ständigen Gedanken und Handlungen, die Du ausführen musst, um Deine Ängste und Unsicherheiten zu lindern, können zu einem erheblichen Stressfaktor werden. Doch es gibt Hilfe: Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die Dir dabei helfen können, Deine Zwänge zu überwinden und ein besseres Leben zu führen. Eine Möglichkeit ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei der Du lernst, negative Gedankenmuster zu erkennen und durch positive zu ersetzen. Auch Medikamente können eine Option sein, um Symptome wie Angstzustände oder Depressionen zu behandeln. Wichtig ist jedoch auch, dass Du Dich selbst unterstützt und auf Deine Bedürfnisse achtest. Indem Du Dich mit anderen austauschst und Dir Zeit für Entspannung nimmst, kannst Du Deinen Umgang mit der Störung verbessern und ein erfülltes Leben führen.
Wenn du an einer anankastischen Persönlichkeitsstörung leidest, kann das tägliche Leben sehr belastend sein. Die ständigen Zwangsgedanken und -handlungen können dich stark einschränken und dein Leben beeinflussen. Aber es gibt Möglichkeiten, wie du deine Zwangsstörungen im Alltag managen kannst. Eine Option ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei der du lernst, deine Gedanken und Handlungen zu kontrollieren. Auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, deine Angst und Anspannung zu reduzieren. Es ist wichtig, dass du dir Zeit für dich selbst nimmst und auf deine Bedürfnisse achtest. Versuche dich nicht von deinen Zwangsgedanken überwältigen zu lassen und suche gegebenenfalls professionelle Hilfe. Mit den richtigen Strategien kannst du lernen, mit deiner anankastischen Persönlichkeitsstörung umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.
Hier findest Du den ursprünglichen Artikel
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung oder anankastische Persönlichkeitsstörung gehört im ICD 10 zur Gruppe der Persönlichkeitsstörungen. Typisch für sie sind Rigidität, Perfektionismus, ständige Kontrollen, Gefühle von Zweifel sowie ängstliche Vorsicht, keine Fehler zu machen.
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist eine von der Zwangsstörung völlig verschiedene psychische Störung – trotz mancher Ähnlichkeiten in der sichtbaren Symptomatik. Die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung wird auf etwa 1 % geschätzt.
Beschreibung
Persönlichkeitsstörungen sind meist gravierende Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens der betroffenen Person, die nicht direkt auf eine Hirnschädigung oder auf eine andere psychiatrische Störung zurückzuführen sind. Persönlichkeitsstörungen betreffen häufig verschiedene Persönlichkeitsbereiche und gehen beinahe immer mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen müssen nicht zwangsläufig zu einem subjektiven Leidensdruck führen.
Im konkreten Fall der zwanghaften Persönlichkeitsstörung liegt oft eine fehlende Flexibilität im Denken und Handeln vor. Stattdessen werden Idealbilder erstarrt in die Zukunft projiziert. Die betroffenen Personen befinden sich dadurch in kaum lösbaren Konflikten: Sie streben ständig nach Vollkommenheit. Auf Grund ihrer selbst gesetzten übertrieben strengen und oft unerreichbaren Normen können sie jedoch ihre Aufgaben und Vorhaben nur schwer realisieren. Tendenziell sind sie mit eigenen Leistungen nie endgültig zufrieden. Eine übermäßige Beschäftigung mit Regeln, Effizienzfragen, unbedeutenden Details oder Verfahrensfragen stört ihre Übersicht. Dadurch kann die eigentliche Aktivität in den Hintergrund treten.
Zwanghafte Personen neigen zu einer weniger effektiven Zeitplanung: Wichtige Dinge erhalten bis zum letzten Augenblick einen Aufschub, dagegen erfahren Freizeitaktivitäten sogar eine exakte Planung. Arbeit und Erfolgsstreben werden meist über Vergnügen und soziale Beziehungen gestellt. Oft versuchen sie, ihr Tun logisch und rational zu rechtfertigen. Emotionales bzw. affektives Verhalten anderer wird nicht toleriert. Durch ihre ausgeprägte Unentschlossenheit werden Entscheidungen immer wieder hinausgeschoben, was Ausdruck einer übertriebenen Furcht vor Fehlern ist. Diese kann dazu führen, dass Aufträge und Vorhaben überhaupt nicht erledigt werden können. Auch sind sie außerordentlich gewissenhaft und nehmen gerne die Rolle des „Moralapostels“ ein. Bei sich und anderen nehmen sie alles sehr genau, auf Kritik von Autoritätspersonen reagieren sie außergewöhnlich sensibel und verletzt. Betroffene neigen zu Depressionen und weisen oft Symptome anderer Zwangserkrankungen auf, wobei ein innerer Zusammenhang zwischen den Störungen nicht unmittelbar zu erkennen ist.
Die Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen ist häufig vermindert. In zwischenmenschlichen Beziehungen wirken Betroffene dementsprechend kühl und rational. Die Anpassungsfähigkeit an die Gewohnheiten und Eigenheiten der Mitmenschen ist eingeschränkt. Vielmehr wird die eigene Prinzipien- und Normentreue auch von anderen erwartet. Sie tendieren zu Geiz und sind oft nicht in der Lage, sich von abgetragenen oder nutzlosen Dingen zu trennen, auch wenn sie keinen Erinnerungswert haben.
Abgrenzung
Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung muss vor einer Diagnose von anderen Störungen unterschieden und differentialdiagnostisch abgegrenzt werden.
Es besteht kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen den Zwangssymptomen bei einer Zwangsstörung und einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Während die Zwanghaftigkeit im Rahmen der zwanghaften Persönlichkeitsstörung als integraler Bestandteil der eigenen Person empfunden wird, werden die Symptome der Zwangsstörung als ich-fremd und nicht zur eigenen Persönlichkeit gehörend empfunden.
Klassifizierung
Im ICD-10 ist die Anankastische Persönlichkeitsstörung unter F60.5 klassifiziert. Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:
Gefühle von starkem Zweifel und übermäßiger Vorsicht,
Ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation und Plänen,
Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben behindert,
Übermäßige Gewissenhaftigkeit und Skrupelhaftigkeit,
Unverhältnismäßige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung oder bis zum Verzicht auf Vergnügen und zwischenmenschliche Beziehungen,
Übertriebene Pedanterie und Befolgung sozialer Konventionen,
Rigidität und Eigensinn
Unbegründetes Bestehen darauf, dass andere sich exakt den eigenen Gewohnheiten unterordnen oder unbegründete Abneigung dagegen, andere etwas machen zu lassen.
Therapie
Im Falle der zwanghaften Persönlichkeitsstörung sind bisher weder psychotherapeutische noch pharmakologische Therapieansätze ausreichend empirisch untersucht worden, um wissenschaftlich gesichert beschreiben zu können, welche die beste Therapieform ist. Vorläufige Hinweise bestehen für die Wirksamkeit der Kognitiven Therapie und andere verhaltenstherapeutische Verfahren.
Da es sich bei Persönlichkeitsstörungen um früh erworbene Charakterstrukturen handelt, können psychodynamische Psychotherapiemethoden ebenso wirksam wie verhaltenstherapeutische Ansätze sein. Psychodynamische Verfahren wirken möglicherweise tiefgreifender und nachhaltiger als übende Verfahren, die hauptsächlich auf Psychoedukation setzen. Psychoedukation hilft dem betroffenen Patienten zwar, im Hier und Jetzt besser mit seiner Persönlichkeitsstruktur umzugehen, berührt die Selbstentwicklung aber nur am Rande. Es gibt bislang keine belastbaren Untersuchungen darüber, ob eine psychopharmakologische Behandlung die Symptomatik der zwanghaften Persönlichkeitsstörung dauerhaft bessern kann. Die Befunde zur Wirksamkeit einer Behandlung mit SSRI bei zusätzlicher Depression (Komorbidität) sind widersprüchlich.
Da es keine spezifische psychopharmakologische Standardtherapie gibt, wird im Einzelfall grundsätzlich symptomorientiert vorgegangen. Das bedeutet, man behandelt nicht die zwanghafte Persönlichkeitsstörung als solche, sondern die besonders belastenden Symptome, die in Folge der Persönlichkeitsstörung vorliegen können.