Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung, auch als Ablatio retinae umschrieben, bezeichnet die Ablösung der inneren Anteile der Netzhaut  des Auges von ihrer Versorgungsschicht, dem retinalen Pigmentepithel. Sie stellt einen augenärztlichen Notfall dar. In den meisten Fällen findet eine Progression in Richtung Sehzentrum, der Makula, statt, welche das Ausmaß des nötigen Eingriffs vergrößert und die Prognose der endgültig erhaltbaren Sehkraft mit Erreichen des Sehzentrums radikal verschlechtert.

Speziell disponiert für Netzhautablösung sind kurzsichtige Personen. Die Auftretenswahrscheinlichkeit (Inzidenz) der Netzhautablösung in nicht-operierten kurzsichtigen Augen in der allgemeinen Bevölkerung wird in großen Studien mit 0,71 % bis 3,2 % angegeben und steigt auf das über 100-fache in Augen mit extrem hoher Kurzsichtigkeit über −15 Dioptrien (Dpt) speziell in der Altersgruppe zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Formen

Es werden verschiedene ursächliche Formen unterschieden: die Rissbedingte Netzhautablösung, die zugbedingte Netzhautablösung, die durch Einlagerung von Flüssigkeit bedingte Netzhautablösung, die tumorbedingte Netzhautablösung und die druckwellenbedingte Netzhautablösung.

Symptome

Symptome sind das Sehen von Blitzen (sog. Photopsien) als Folge des Glaskörperzugs, das plötzliche Auftreten von dichten schwarzen oder roten Flecken im Gesichtsfeld (als sog. Rußregen) als Folge einer mit dem Netzhautriss einhergehenden Blutung sowie vorhang- und balkenartige Gesichtsfeldeinschränkung, wenn die Netzhautablösung größere Ausmaße erreicht hat. Die Netzhaut-Ablösung stellt einen der wichtigsten Notfallsituationen in der Augenheilkunde dar, da sie in der Regel unbehandelt zur Erblindung führt. Früh erkannt und schnell behandelt durch Argon-Lasertherapie, Kryokoagulation oder eindellende Plomben-Operation kann das Augenlicht in der Regel immer gerettet werden. Erste Selbsthilfemaßnahme ist das Vermeiden von Kopfbewegungen und Ruhe, bis Fundoskopie oder Ultraschall des Auges eine eindeutige Diagnose erlaubt haben.

Jedoch kann das Ablösen auch völlig ohne Symptome geschehen und erst bei Erreichen der Makula sichtbar werden, beispielsweise durch eine verzerrte Darstellung (Metamorphopsie), vergleichbar mit einem Fehler in einem Glas.

Folgen

Ist die Netzhaut mit ihren Nervenzellen und Photorezeptoren nicht mehr durch den Kontakt mit dem Pigmentepithel versorgt, kann es je nach Dauer zu einem irreparablen Funktionsverlust der betroffenen Netzhautareale kommen. Nach Wiederanlage kann über Wochen bis Monate eine Besserung eintreten.

Bei Fortbestehen einer vollständigen Netzhautablösung droht langfristig eine schmerzhafte Schrumpfung des Augapfels und damit der Verlust des Auges.

Therapie

Eine Netzhautablösung wird meist operativ behandelt. Das Vorgehen ist abhängig von ihrer Ursache, Lage und Ausdehnung. Insbesondere Ursachen in der unteren Hemisphäre des Auges bedürfen überdurchschnittlich häufig chirurgischer Versorgung mit Silikonöltamponaden, da aufgrund der aufschwimmenden Eigenschaften der Gase, aber auch einzelner Silikonöle oft keine ausreichende Netzhautanlage und Lochabdichtung in den unteren Anteilen erreicht werden kann.

Zu den verschiedenen Therapieverfahren zählen die pneumatische Retinopexie, die Laserbehandlung, eine Glaskörperentfernung sowie die Kryo-Chirurgie. Daneben bestehen auch weitere Behandlungsansätze, die z.B. bei zugrunde liegenden Entzündungen oder tumorbedingter Ursache zum Einsatz kommen.

Vorsorge

Insbesondere Menschen mit Risikofaktoren für eine Netzhautablösung, z. B. bei hoher Kurzsichtigkeit, schlecht eingestelltem Diabetes, Netzhautablösung am anderen Auge oder bei familiär gehäuftem Auftreten der Erkrankung, sollten ihre Netzhaut regelmäßig vom Augenarzt auf Schwachstellen untersuchen lassen. Die routinemäßige Untersuchung der Netzhaut von Frühgeborenen in den ersten Lebenswochen soll Frühstadien der Frühgeborenenretinopathie aufdecken, die unbehandelt zur Netzhautablösung führt. Die Kryoretinopexie ist eine Maßnahme mit Kälteanwendung in Verbindung mit operativen Prozeduren anderer Netzhautschäden, um das Risiko unbeabsichtigter Netzhautablösung zu mindern.