Alveoläre Echinokokkose

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist eine Art der Bandwürmer und parasitiert vor allem im Rotfuchs. Als Zwischenwirt dienen kleine Säugetiere, vor allem Wühlmäuse und andere Nagetiere. Der Fuchsbandwurm ist der Auslöser der alveolären Echinokokkose, einer lebensgefährlichen Wurmerkrankung des Menschen.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit der alveolären Echinokokkose beträgt fünf bis 15 Jahre bis zum Auftreten klinischer Symptome. Eine Frühdiagnose ist mithilfe serologischer Verfahren möglich.

Verlauf

Nach der Aufnahme von Oncosphären, also den Eiern, passieren diese den Magen und durchdringen die Wand des Dünndarms. Über die Pfortader gelangen sie innerhalb von drei bis vier Stunden in die Leber, seltener in Milz, Galle, Lunge oder Gehirn. Dort setzen sie sich fest, wachsen zu einer primären Zyste heran und beginnen, sich durch Knospung auszubreiten. Auf der Oberfläche der vergleichsweise kleinen primären Zyste bilden sich etwa haselnussgroße Tochterzysten, die Finnen von Echinococcus multilocularis, die das befallene Organ infiltrieren. Über das Blut und das Lymphsystem kann sich die Infektion metastasierend auf andere Organe ausbreiten. Das Krankheitsbild entspricht dem eines bösartigen (malignen) Tumors und führt unbehandelt nach schleichendem Verlauf innerhalb von zehn Jahren in über 90 % der Fälle zum Tod.

Das optische Erscheinungsbild der Krankheitsherde ist eine Ansammlung kleiner Blasen, die mit nekrotisiertem Gewebe und einer geleeartigen Substanz gefüllt sind. Man spricht hier von einer alveolären (bläschenartigen) Echinokokkose, zur Unterscheidung von der zystischen Echinokokkose bei einer Infektion durch den Hundebandwurm, bei der die Knospung der primären Zyste nach innen erfolgt und die Neubildung insgesamt den Eindruck einer einzigen großen Blase vermittelt.

Symptome

Zu Beginn der Infektion treten kaum Symptome auf, die den Verdacht auf diese Krankheit lenken würden. Selbst nach vielen Jahren treten zunächst nur unspezifische Anzeichen auf, Abgeschlagenheit, Bauchbeschwerden und Gelbsucht. In diesem Krankheitsstadium hat das Larvengewebe im Körper meist schon eine beträchtliche Größe erreicht.

Komplikationen

Die möglichen Komplikationen sind vielfältige Folgeerscheinungen der Zerstörung von Lebergewebe, des raumfordernden Wachstums und der Ausbreitung im Körper des Patienten. Bekannt geworden sind u.a. Entzündungen der Gallengänge (Cholangitis), Gelbsucht durch gestörten Gallenabfluss aus der Leber (Obstruktionsikterus), Gallensteine (Cholelithiasis), Sepsis, Pfortaderhochdruck, Thrombosen der unteren Hohlvene. Durch die Knospung des Parasiten in die Blutbahn gelangte Zysten können unmittelbar oder durch das Wachstum an einem ungünstigen Ort wie Lunge oder Herz eine Embolie verursachen.

Diagnose

Die Früherkennung der Infektion ist mit serologischen Untersuchungen (IFT und PHA) realisierbar, bevor irgendwelche Symptome auftreten. Mittels ELISA gelingt in der Regel die serologische Unterscheidung. Kreuzreaktionen auch mit anderen Bandwürmern sind ebenfalls möglich.

Weiterhin werden sowohl für die Diagnose als auch die Verlaufsbeurteilung einer alveolären Echinokokkose bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung, die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie angewendet. 

Therapie

Eine frühzeitige Diagnose und eine frühe, konsequent durchgeführte Therapie können zu einer vollständigen Heilung führen.

Therapiemöglichkeiten schließen Chemotherapie, Operation und palliative Maßnahmen ein; meist ist eine langjährige Behandlung mit Benzimidazol-Derivaten unerlässlich. Diese medikamentöse Therapie ist bislang meist zeitlebens erforderlich, da nach derzeitigem Wissensstand die oben genannten Substanzen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nur parasitostatische Wirkung haben, d. h. sie hemmen nur das Wachstum der Parasiten, führen aber nicht ihr Absterben herbei. Die genannten Medikamente können schwerwiegende Nebenwirkungen haben, weshalb die Benzimidazol-Therapie in etwa zehn Prozent der Fälle abgebrochen wird. Da es in etwa 16 Prozent der Fälle auch noch zu einem Therapieversagen kommt, sind neue therapeutische Ansätze dringend gefragt.

Meldepflicht

Die Echinokokkose des Menschen ist nach IFSG meldepflichtig – und zwar über den direkten oder indirekten Nachweise des Erregers. Zur Meldung an das Robert Koch-Institut sind die mikrobiologischen Labore und Pathologen verpflichtet, die durch histopathologische oder serologische Untersuchungen eine Echinokokkose diagnostiziert haben.