Campylobacter-Enteritis

Die Campylobacter-Enteritis ist eine durch verschiedene Bakterienarten der Gattung Campylobacter hervorgerufene, meldepflichtige, entzündliche Durchfallerkrankung beim Menschen. Die Infektionskrankheit wird auch als Campylobacteriose bezeichnet und ist die am häufigsten vorkommende Erkrankung des Verdauungstrakts. Campylobacter-Arten sind gram-negative, spiralig gekrümmte Stäbchen und gehören zur Gruppe der Zoonoseerreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und dort zu einer Erkrankung führen können. 

Krankheitsmechanismus

Wie die Shigellen gehört Campylobacter zu den Erregern, die in die Schleimhäute des Darmes einwandern. Sie bilden einen hitzeresistenten Giftstoff (Enterotoxin), der vermutlich für die Durchfallsymptome verantwortlich ist.

Campylobacter ist enteroinvasiv, d. h., er dringt über die Darmepithelien ein und verbreitet sich von dort aus. Er kann somit auch in das Blut gelangen (Bakteriämie) und eine Sepsis verursachen.

Verlauf

Von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es etwa 1–7 Tage. Daraufhin kommt es zu Symptomen, wie sie auch bei anderen Enteritiden üblich sind. Dazu zählen Bauchschmerzen, starke, manchmal blutige Durchfälle und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Fieber bis zu 40 °C. Häufig kommt es 12–24 Stunden vor Auftreten der enteritischen Symptome bereits zu Fieber (38–40 °C), Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien und Müdigkeit.

Nach vier Tagen bis zwei Wochen verschwinden die Krankheitssymptome meistens spontan. Rezidive werden selten beobachtet. Viele Infektionen verlaufen auch asymptomatisch. Eine Immunität wird nicht erworben. Für einen gewissen Zeitraum bleiben die Patienten infektiös, da die Erreger im Stuhl ausgeschieden werden. Dieser Zeitraum beträgt zwei bis vier Wochen. Mit Dauerausscheidern ist normalerweise nicht zu rechnen. Bei immungeschwächten Personen, z. B. bei AIDS-Patienten, kann es jedoch zu einer Langzeitausscheidung kommen. Die Ausscheidungsdauer kann durch Antibiotikagabe verkürzt werden, sofern keine Resistenz bei den beteiligten Campylobacter-Arten besteht.

Nach § 7 des deutschen Infektionsschutzgesetzes (IfSG) besteht eine Meldepflicht für den positiven Erregernachweis durch das nachweisende Labor mit namentlicher Meldung des Patienten. Nach § 6 IfSG ist auch die Krankheit als akute infektiöse Gastroenteritis meldepflichtig, falls ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

Häufigkeit

Campylobacter ist inzwischen in Deutschland – wie insgesamt in der Europäischen Union – der häufigste Erreger einer bakteriellen gastrointestinalen Infektion, noch vor den Salmonellen. Die Anzahl der Campylobacteriose-Fälle ist seit Jahren ansteigend. Meist treten sie sporadisch auf, aber auch von Krankheitsausbrüchen wird regelmäßig berichtet. Die Erkrankung tritt vor allem im Sommer auf. 

Infektionsweg

Campylobacter jejuni und Campylobacter coli kommen normalerweise im Darm von Schweinen und Geflügel und anderen Vogelarten vor. Hauptursache für durch Lebensmittel übertragene Campylobacteriose ist Geflügelfleisch, worauf sich 20–30 % der Fälle zurückführen lassen. Die Übertragung erfolgt dabei vor allem durch ungenügend gegartes Geflügelfleisch, da durchschnittlich jedes zweite Produkt verkeimt ist. Weitere Infektionsquellen sind nicht pasteurisierte Milch (Rohmilch), kontaminiertes, nicht aufbereitetes Trinkwasser und rohes Hackfleisch. Auch Infektionen beim Baden in kontaminierten Oberflächengewässern (Badeseen und andere stehende Gewässer im Sommer) kommen vor. Ebenfalls ist die Übertragung durch Haustiere bzw. bei Kontakt mit deren Ausscheidungen möglich.

Die als Infektionsquellen ausgemachten Lebensmittel sind vor allem von ausscheidenden Tieren kontaminiert. Selten erfolgt die direkte fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch. Auch eine direkte Schmierinfektion kommt vor, vor allem bei Kindern.

Campylobacter kann, vor allem bei niedrigen Umgebungstemperaturen, einige Zeit in der Umwelt oder in Lebensmitteln überleben. Der Erreger kann sich aber nicht außerhalb des Wirtsorganismus, also z. B. in Lebensmitteln, vermehren. Bereits die Aufnahme einer eher geringen Menge von Campylobacter reicht aus, um eine Infektion zu verursachen, bei Kindern ist dies bereits bei einer Infektionsdosis von etwa 500 Bakterienzellen möglich.

Diagnostik

Ein Nachweis gelingt in der Regel aus der Stuhlkultur. Die Kultivierung auf Selektivmedien erfolgt unter mikroaerophilen Bedingungen bei 37–42 °C.

Prophylaxe

Für Verbraucher besteht der wirksamste Schutz vor einer Infektion in der Einhaltung der Küchenhygiene. Beispielsweise sollte der Kontakt des Fleisches mit anderen Lebensmitteln über Küchengeräte oder Hände durch Waschen und Desinfizieren derselben vermieden werden.

Therapie

Die Campylobacter-Enteritis heilt in der Regel spontan aus. Da eine antibiotische Behandlung im Normalfall keine Verkürzung der Krankheitsdauer bewirkt, sollte eine Anwendung nur bei komplikationsgefährdeten Menschen in Erwägung gezogen werden.

So wie bei allen Durchfallerkrankungen ist es auch bei der Campylobacter-Enteritis vor allem wichtig, Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen.

Komplikationen

Während die Krankheit bei den meisten Menschen komplikationslos verläuft, bleiben in einigen Fällen die Erreger im Darm und können eine chronische Infektion auslösen. Diese bietet ein ähnliches Bild wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Vor allem bei immunsupprimierten Patienten kann es in seltenen Fällen zu septischen Verläufen kommen. Nach ausgeheilter Infektion treten manchmal reaktive Arthritis und Erythema nodosum auf.