Gelbfieber

Das Gelbfieber ist eine Infektionskrankheit, die durch das Gelbfieber-Virus verursacht wird. Das Virus wird durch Stechmücken als Vektor übertragen und ist in tropischen und subtropischen Gebieten Südamerikas und Afrikas verbreitet. Der Begriff Vektor bedeutet, dass das Virus auf die übertragene Stechmücke nicht pathogen, also krankheitsauslösend wirkt. Die einzigen bekannten Wirte des Virus sind Primaten und verschiedene Stechmückenarten. Der Ursprung der Krankheit wird in Afrika vermutet.

Übertragung

Das Gelbfieber-Virus wird hauptsächlich durch den Stich der Gelbfiebermücke Stegomyia aegypti übertragen, aber auch andere Mücken können als Vektor dienen. Wie bei anderen von Stechmücken übertragenen Arboviren wird das Gelbfiebervirus von einer weiblichen Stechmücke, die das Blut einer infizierten Person saugt, aufgenommen. Dabei gelangen die Viren in den Magen der Mücke und falls die Viruskonzentration hoch genug ist, können die Viren die Magenepithelzellen befallen und sich dort vermehren. Von dort gelangen sie ins das Blutsystem der Mücke und weiter in die Speicheldrüsen. Wenn die Mücke das nächste Mal Blut saugt, injiziert sie ihren Speichel in die Wunde, womit das Virus in den Blutkreislauf der gestochenen Person gelangt.

Symptome

Gelbfieber hat eine Inkubationszeit von drei bis sechs Tagen, nach der es zu einem plötzlichen Fieberanstieg auf über 39 °C (und manchmal auch über 40 °C) kommt. Die meisten Fälle verlaufen mild, die Infektion äußert sich dann nur in einer kurzen Fieberkrankheit mit Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Infektion kann in leichten Fällen nach drei bis vier Tagen wieder abklingen.

In ungefähr 15 % der Fälle manifestiert sich eine zweite Phase der Krankheit mit einer Wiederkehr des Fiebers, bei der eine kurzfristige Verbesserung des Gesundheitszustandes möglich ist. Ähnlich wie z. B. beim Typhus abdominalis lässt sich während dieses erneuten Fieberanstieges eine sog. „relative Bradykardie“ beobachten. Normalerweise steigt bei einer Erhöhung der Körperkerntemperatur um 1 °C der Herzschlag um ca. 10 Schläge pro Minute. Das Ausbleiben dieses Anstieges wird beim Gelbfieber als „Faget-Zeichen“ bezeichnet.

Die zweite Phase wird begleitet von einer Gelbsucht infolge der Leberschädigung sowie Schmerzen im Unterleib. Als Zeichen einer erhöhten Blutungsneigung und Empfindlichkeit der Kapillargefäße tritt bei Druckbelastung der Haut das Phänomen der „Spanischen Flagge“ auf. Blutungen der Mundschleimhaut, der Augenbindehäute und der Nasenschleimhaut (Nasenbluten) sind charakteristisch. Massive Blutungen im Magen-Darm-Trakt können zu blutigem Stuhlgang und blutigem Erbrechen führen, wobei das Blut durch den Kontakt mit der Magensäure schwarz gefärbt ist; daher auch der historische Name „Vomito negro“ (Schwarzes Erbrechen) und die Einteilung in die Hämorrhagischen Fieber. Diese zweite Phase, auch toxische Phase genannt, endet in 20 % aller Fälle tödlich. Wird die Infektion überstanden, besteht lebenslange Immunität und normalerweise werden keine bleibenden Organschäden davongetragen.

Diagnose

Gelbfieber ist überwiegend eine klinische Diagnose, die sich oft auf den Aufenthaltsort der erkrankten Personen während der Inkubationszeit stützt. Sporadische und nur milde Verläufe sind nur durch eine virologische Untersuchung sicher zu erkennen. Da auch die milden Verläufe bei regionalen Ausbrüchen eine große Rolle spielen und auch diese Patienten zur Weiterverbreitung des Virus beitragen, gilt jedes innerhalb von sechs bis längstens zehn Tagen nach Verlassen des Endemiegebietes auftretende Fieber mit Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen als Gelbfieber-verdächtig.

Bei Verdacht auf eine Infektion kann das Gelbfiebervirus bis etwa 6–10 Tage nach Beginn der Erkrankung nachgewiesen werden. 

Differentialdiagnose

Plötzlich auftretendes Fieber mit Gelbsucht und Blutungsneigungen bei entsprechendem Aufenthalt in den betroffenen Gebieten lassen am Beginn einer Gelbfieberinfektion differentialdiagnostisch auch an eine Malaria denken. Andere, mit Gelbsucht einhergehenden Infektionen sind auszuschließen, so alle klassischen Virushepatitiden, eine Leptospirose oder ein Rückfallfieber. Andere Virusinfektionen mit hämorrhagischem Fieber sind abzugrenzen, so eine Infektion mit Ebolaviren, dem Lassa-Virus, Marburg-Virus oder Junin-Virus. Hierbei ist das im Krankheitsverlauf sehr frühe Auftreten der Blutungsneigung („Spanische Flagge“ als Hautsymptom) eher typisch für Gelbfieber. Generalisierte, septische Verläufe von Herpes-simplex-Infektionen oder einer Herpes B können dem Gelbfieber sehr ähnliche Symptome aufweisen. Nicht-infektiöse Ursachen können ebenfalls mit einer Gelbsucht und einer verstärkten Blutungsneigung einhergehen, so beispielsweise verschiedene Formen der Vergiftung mit lebertoxischen Substanzen.

Therapie

Für Gelbfieber existiert wie für alle von Flaviviren ausgelösten Krankheiten keine ursächliche Therapie. Wenn möglich, ist eine Einweisung in ein Krankenhaus vorzunehmen und aufgrund des in manchen Fällen sich schnell verschlechternden Krankheitszustandes ist eine intensivmedizinische Überwachung angebracht. Verschiedene Methoden zur akuten Behandlung der Krankheit zeigten in Studien wenig Erfolg, so ist eine passive Immunisierung nach dem Erscheinen von Symptomen wahrscheinlich ohne Effekt. Eine symptomatische Behandlung umfasst Maßnahmen zur Rehydratation und Gabe von Mitteln wie Paracetamol zur Schmerzlinderung. Auf Acetylsalicylsäure sollte aufgrund seiner gerinnungshemmenden Wirkung verzichtet werden, da diese im Falle von inneren Blutungen, die bei Gelbfieber auftreten können, verheerend ist.

Vorbeugung

Die persönlichen Vorbeugemaßnahmen gegen Gelbfieber umfassen eine Impfung sowie das Vermeiden von Mückenstichen in Gebieten, in denen Gelbfieber endemisch vorkommt. Institutionelle Maßnahmen zur Präventionen von Gelbfieber umfassen Impfprogramme und Maßnahmen zur Kontrolle der krankheitsübertragenden Stechmücken.